Wolf - Jens R. Schlömer

Wie sieht ein Weg in die
Zukunft ohne Natur aus? 
Freitag, 10. Juni 2011

Feinstaub bitte, extra viel!

Neulich in Marburg…

Es ist schon ein paar Tage her, aber ich möchte diese Geschichte nicht ins Vergessen geraten lassen.
Ich habe damals einem Freund in Marburg bei seinem Umzug geholfen. Es war einer dieser trockenen und heißen Frühjahrs-Tage, an denen auch nur wenig Wind wehte. Wir waren dabei die Möbel und Kisten in den LKW zu schleppen. Auf der Straße waren relativ viele Passanten unterwegs, als beim Nachbarhaus ein Hausmeisterservice begann, den Gehweg und die Eingänge “zu reinigen”. Die Straße war an beiden Seiten mit vielen Autos zugeparkt, so dass wir die Sachen eine gute Strecke zum LKW tragen mussten.
Plötzlich ertönte vom Nachbarhaus ein ohrenbetäubender Lärm und eine dichte graubraune Staubwolke erhob sich langsam in die Luft und breitete sich die Straße hinauf in unsere Richtung aus. Mit unfassbarem Staunen konnte ich beobachten, wie der Staub die parkenden Autos, Möbel, Kartons und Passanten einschloss. Auch in unseren LKW, dessen Heck geöffnet war, zog die Wolke. Die Autos waren danach mit einer sichtbaren Staub/Dreckschicht überzogen.
Wenn eine Fachkraft für Arbeitssicherheit einer Berufsgenossenschaft vor Ort gewesen wäre, hätte Sie den Ort umgehend absperren lassen, und nur noch Menschen mit Feinstaubmasken und Augenschutz hätten diesen Bereich betreten dürfen.
Jede normale Arbeit wird so durchgeführt, dass möglichst wenig Staub erzeugt wird, besonders wenn die Arbeit in Wohn- und Geschäftsgegenden stattfindet.
Hier wurden allerdings alle Kleinstpartikel zusammen mit anderem Dreck mutwillig und großzügig in die Luft geblasen. Dabei mag ich mir gar nicht vorstellen aus was diese Wolke zusammengesetzt war: Asbesthaltiger Bremsstaub, Gummiabrieb, Rußpartikel aus Schornsteinen und Fahrzeugabgasanlagen, Rost und andere Oxyde, mineralischer Staub und alles gemischt mit Tierhaaren, Kot- und Urinrückstände, verwesende Insektenteile und vieles vieles mehr!
Und die ganze Sauerei entstand nur, weil ein Hausmeisterservice zu bequem war, obwohl zwei Mann vor Ort waren, die 20 Schritt Gehweg mit Besen zu kehren und statt dessen einen (extra starken?) Laubbläser zum Reinigen verwendete.
Ich finde die Verwendung von Laubbläsern im Herbst zum Aufhäufen von Laub schon zweifelhaft, aber eine Verwendung dieser Maschinen zum Wegblasen von Staub und Dreck sollte verboten und unter Strafe gestellt werden. Wenn man bedenkt, was Passanten, die in eine derartige Wolke geraten, einatmen müssen, grenzt das schon an Körperverletzung. Außerdem entsteht ein wirtschaftlicher Schaden durch den Staub, der sich auf dem Lack von Autos und an den Fassaden von Gebäuden, absetzt.
Davon abgesehen ist die Reinigung auch nicht wirklich gegeben, denn ein Teil des Staubes legt sich auch wieder auf die freigeblasene Stelle.

  1. Leprechaun

    Dienstag, September 27, 2011 - 17:27:53

    So etwas gibt es wirklich? Leute “fegen” mit einem Laubbläser den Bürgersteig sauber?
    Im übrigen finde ich die Laubzusammenblaserei in Stadtparks und ähnlichem auch ätzend. Der gute alte Laubrechen ist zumindest auf Wiesen angebrachter.

  2. Josephine

    Montag, Mai 21, 2012 - 17:41:04

    Laubrechen sind da doch wirklich viel effektiver, manchmal ist die Technik nicht nur ein Segen sondern eher ein Fluch!

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